Nov 30, 2004

Lebenszeichen

Zwei Tage bin ich nun schon bei der Weltmeisterschaft der Abenteuersportler dabei und es faellt mir schwer, einen Anfang zu finden fuer diesen kleinen Reisebericht. Sollte ich bei der 36-stuendigen Anreise beginnen? Bei der Stewardess, bei der nicht nur die Oberweite nicht gottgeschaffen war, sondern auch die Lippen offensichtlich ein wenig aufgepumpt? Es scheint schon wieder so lange her. Auf jeden Fall sind wir nun in San Martin de los Andes, einem Staedtchen, das den Eindruck einer Schweizer Western-Touristenattraktion macht. Eine Strasse gesauemt von BGlockhauesern, alles aus grob beschlagenem Holz, gemuetlich, aber nicht sehr argentinisch. Am Sonntag moren um sechs Uhr morgens warteten wir auf den Start des Rennens am Ufer des Sees, wo die Teams mit Kanus starteten. Nach einem Fruehstueck ging es dann fuer die Journalisten los, erst zwei Stunden Busfahrt zu einem anderen See und dann von dort den Teams entgegen. Zunaechst entlang des Ufers, das aus schwarzem Lavasand bestand und dann weiter durch eine bizarre Landschaft aus Wald und abgestorbenen Bambusstaeben hinauf auf ein heideaehnliches Lavafeld, dann weiter ueber eine Mondlandschaft aus schwarzer Lava. Diese Reise ist in zweiacher Hinsicht ein Sprachabenteuer. Zum Einen, weil man staendig dabei ist, zwischen Englisch, Franzoesisch, Spanisch und Deutsch hin- und her zu wechseln, was zu einer kompletten babylonischen Sprachverwirrung im Kopf fuehrt und zu Saetzen wie: Alors, vamonos.

Balsam auf die kleine Sprachschueler-Seele war es, als die Dame an der Rezeption des Hotels ganz ueberrascht war, als ich ihr sagte, ich sei aus Deutschland, weil sie dachte, ich sei aus Spanien. Wegen meines spanischen Akzentes.

Die andere Art von Sprachabenteuer besteht darin, das Gesehene in Worte zu kleiden. Und das faellt fuerwahr schwer, denn vergleichbares habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Wie beschreibt man die ungewohenlichen Farben, die ungewohnten Geraeusche, wenn man mit den Fuessen ueber feine leichte Lavakiesel wandert?

Apropos wandern. Nie in meinem Leben haette ich gedacht, dass ich in der Lage bin, eine Strecke zurueckzulegen, die hin und zurueck Schaetzungen zufolge zwischen 30 und 50 Kilometer lang war. Und das aber eben nicht auf ebener Strecke, sondern bis auf 1.300 Meter Hoehe, durch Lavafelder, steil bergauf, durch Gebirgsfluesse, bergab, Haenge herunterrutschend und das ganze wieder zurueck. Und das in 6 Stunden Gewaltmarsch.

Das deutsche Team ist leider schon ausgeschieden, sie haben es nicht rechtzeitig bis auf den Vulkan geschafft, auf dem wir gestern waren. heute geht es weiter zu einer Station weiter noerdlich und ich bin mir nicht sicher, worueber ich nun noch berichten soll. Demnaechst mehr, wir muessen bald aufbrechen, es steht wieder eine lange Fahrt vor uns. Und die Fahrten sind schon Abenteuer genug. Es umschreibt es nur unzulaenglich, wenn man sagt, dass man stundenlang ueber Schotterpisten faehrt. Besser ist vielleicht die Umschreibung, dass man dabei im Auto herumgeschuettelt wird, als haette man einen epileptischen Anfall.

Demnaechst mehr, ich muss!

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