Ankunft in Berlin
mit seinen Kotzflecken auf der Straße, den ab- und aufsteigenden Straßennummern pro Seite, den schönen, großen Altbauwohnungen. Mein Onkel wohnt hier in einer 125 Quadratmeter-Altbau-Wohnung und zahlt
-bitte festhalten-
360 Euro kalt!!!
Gut, das ist auch für Berliner Verhältnisse wenig, aber als Münchner, der für seine 27-qm-60er-Jahre-Wohnung etwa dasselbe zahlt, treibt es einem doch die Tränen in die Augen.
Aber ich will nicht klagen, sondern die Schönheit, Rauhheit und Verträumtheit Berlins genießen.
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Herzliche Grüße aus Hildesheim!
Der Stadt, in der man noch echten Punks mit echten bunten Haaren und zerrissenen Lederjacken auf der Straße begegnet, die einen fragen: “Tschulligung, haste vielleicht maln büschen Kleingeld?” Und auf mein Kopfschütteln, dann noch die Nachfrage: “Definitiv?”
Goldig.
Ansonsten hat sich hier nicht viel verändert.
Vielleicht erlebe ich ja in Berlin Spannendes. Bis dahin,
schöne Grüße!
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Deutschlandreise
Heute geht es auf Deutschlandareise. Ich erinnere mich daran, dass wir als Kinder ein Spiel mit diesem Titel hatten. besonders gut daran gefallen hat uns immer die Stadt Zwolle, die zwar nicht mehr in Deutschland liegt, aber wohl im holländischen Grenzgebiet. Heute geht es allerdings nicht nach Zwolle, sondern nach Hildesheim. Und dann am Donnerstag weiter nach Berlin.
Ich werde also die nächsten Tage allerhöchstens sporadisch online sein und mein Erlebtes hoffentlich im Nachhinein an die Weltöffentlichkeit tragen können. Der Zeitdruck und das wenig heimelige Ambietente in Internetcafés ist nämlich Gift für meine Kreativität.
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Bonus-Bonus-Bonus-Vordrängeln
Menschen, die sich im Supermarkt mit der Begründung “Ich hab nur so wenig” vordrängeln, sind mir suspekt. Heute passierte es wieder: Eine dreiste Nonne mit Hörgerät, die etwa 1,50 Meter groß war, kam mit einer Schachtel Kirschen daher und ohne viel zu fragen nur durch einen kurzen Blick, stellte sie sich vorne in die Reihe. Natürlich wagt in so einem Fall niemand, “Nein” zu sagen, denn die Nonne vertraut auf ihren Bonus-Bonus-Bonus. Wer würde schon einer 1. kleinwüchsigen 2. behinderten, da schwerhörig 3. Nonne den Weg versperren – ohne Angst haben zu müssen, im gleichen Moment von einem Blitz getroffen zu werden?
Ich nicht.
Und so triumphiert die Dreistigkeit.
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Diagnose: Kralle lose
Ein eingerissener Fingernagel ist schmerzhaft, was muss dann erst eine angeknackste Kralle schmerzen? Gestern hatte sich Bingo beim Herumtollen mit einem anderen Hündchen seine Daumenkralle verletzt. Darum hab ich ihn heute morgen zum Tierarzt gebracht, der ihm die kaputte Kralle gezogen hat. Nun humpelt er wie ein angeschossenes Reh durch die Wohnung mit einem dicken, blau-weißen Verband. Und ein wenig habe ich den Eindruck, dass er ganz schön stolz drauf ist und sich jetzt gern ein wenig bedienen lässt:
“Schließlich bin ich verletzt, seht her!”
Aber das hat er sich ja auch verdient, denn beim Tierarzt war er sehr tapfer. Hat nur ein wenig gezittert und war ganz brav. Obwohl ihm die Tierärztin das Maul zugebunden hat, damit er sie nicht beißt. Aber das hätte er ja eh nie getan. Bingo doch nicht.
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Ich bin Onkel!
Ich bin Onkel. Was sagt man dazu? Lara heißt das Mädchen, die zukünftig meine Nichte sein wird und ich ihr Onkel.
Na, hat jemand den grammatikalischen Unsinn entdeckt?
Natürlich uss es richtig heißen: Lara heißt das Mädchen, das zukünftig meine Nichte sein wird und ich sein Onkel.
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Kinder abziehen
Die heutige Nacht erläuterte mir eine ungewöhnliche Methode des Kinderkriegens. Mir träumte, Kinder würden so zur Welt kommen, indem die Schwangere die obere Schicht ihrer Bauchhaut abzieht und darunter das Kind im Fruchtwasser zum Vorschein kommt. Wiederum darunter hat sich bereits die neue Bauchhaut der Mutter gebildet. Wenn es nur so einfach wäre.
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Drohungen, Schläge und Monologe – grausam!
oder: Szenenappläuse bis zum Abwinken
Niemand hat gesagt, dass Kultur wohlgesonnen, handlich verpackt und gut erträglich sein muss. Aber uns hat auch niemand gesagt, dass das E-Garten-Theater Pygmalion geschlagene DREIEINVIERTELSTUNDEN dauern würde! Und das auf unbequem matschig durchfeuchtelnden Treppenstufen eines Wiesen-Amphi-Theaters. Umgeben von Kulturschnorrern, die allesamt nur gekommen sind, weil es nichts gekostet hat und deswegen meinten, bei jedem Auftreten eines “Schauspielers” klatschen zu müssen und beim Abgang erneut. Szenenappläuse bis zum Abwinken also. Wer nicht weiß, wie Kulturschnorrer aussehen, dem sei nur so viel verraten: Sie haben Picknickkörbe (!!!) dabei und lesen Ausrisse aus der Süddeutschen Zeitung, die sie mitgebracht haben. Und wir mittendrin. Kein Ausweg. Umgeben von Decken, Isomatten und begeistert juchzenden Mittdreissgern. Den Kopf zurückgelehnt gegen grobes Mauerwerk, das sich unerbittlich zwischen die Haarwurzeln schiebt und die Kopfhaut zertrümmert. Sollte mir jemand heute einen Rotstift in die Hand drücken, so würde ich beherzt anfangen, Text zu streichen und zwar genau anderthalb Stunden.
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Befürchtungen bezüglich Reinkarnation
Und es begab sich also, dass meine Schwester in den nächsten Tagen gebären sollte. Nur habe ich nun eine fürchterliche Vorahnung. Da ja die gute alte Inge Meysel in den letzten Tagen verblichen ist, könnte es doch sein, dass mein zukünftiger Neffe oder Nichte eine Wiedergeburt von Inge Meysel wird. Und ich weiß nicht, ob ich damit zurecht käme, einen kleinwüchsigen, gebisstragenden und überheblichen Verwandten zu haben.
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